Do
22
Apr
2010
Viele von euch haben es sicher gestern schon in den Nachrichten vernommen: Der US-amerikanische Rapper Guru (oder auch Keith Edward Elam; Guru steht übrigens für "Gifted Unlimited Rhymes Universal") ist am Montag mit gerade einmal 43 Jahren seinem Krebsleiden erlegen.
Jedes Genre feiert in den Archiven der Musikgeschichte seine Galionsfiguren und Helden. Darunter gibt es auch jene Helden, die es verstehen, über ein bestimmtes Genre hinaus Brücken zu schlagen, zu begeistern und der (Nach-) Welt in Erinnerung zu bleiben. Echte Musikdachdecker, wenn man so will. Denn auch unter'm Musikdach geht es einzig und allein darum, alles Musikalische unter einem Dach zu vereinen und Brücken zu bauen.
Guru war eine solcher Held, dafür spricht vieles; so auch die Tatsache, dass die ihn die Medien nach seinem frühen Tod quer durch alle namhaften Magazine, Portale und Tageszeitungen anerkennen und verabschieden.
Hier eine kleine Collage von Eindrücken, die sich aus den Schlagzeilen und Nachrufen ergeben:
Die FAZ beispielsweise spricht vom "Versöhner von HipHop und Jazz", der einer der größten Erzähler des amerikanischen HipHop gewesen sei und Musik für intelligente Hörer (dafür spricht auch die Tatsache, dass wir in unserem heutigen Sofdy nicht ein Schimpfwort entdecken konnten!) gemacht habe.
Wir zitieren weiter aus dem Artikel:
Er wurde nur dreiundvierzig Jahre alt. Und wenn man jetzt nochmal nachliest, wie früh seine Karriere begann, eher Mitte denn Ende der achtziger Jahre nämlich, als Guru Gang Starr gründete, dann erschrickt man kurz, wie jung dieser Rapper schon großartig war, stilsicher und souverän.
[...]
Reimeleganz. Beats, bei denen man sofort mitnicken und immer auch etwas grinsen musste, weil sie so geschmeidig durch die Gegend glitten. Klug eingewobene Samples, Humor sogar auch, eher selten im amerikanischen Rap.
Der österreichische Standard nimmt uns mit auf eine kleine Reise zurück in die Vergangenheit:
Als HipHop Ende der 1980er, Anfang der 1990er seine erste Hochblüte feierte, war das Duo Gang Starr vorne mit dabei.
DJ Premier und MC Guru überführten Funk in eine so bestechende wie elegante zeitgenössische Form.
Verantwortlich war neben Premier der am 17. Juli 1966 im US-Bundesstaat Massachusetts als Keith Elam geborene MC Guru. Sein reduzierter dabei unverschämt eloquenter Reimstil war neben der
Funkiness die Trademark der in Boston gegründeten und später von New York aus operierenden Formation.
Auch im Spiegel wird dem Duo Tribut gezollt und Guru in diesem Zusammenhang als Erneurer und Traditionalist gewürdigt, der mit Gang Starr einige der wegweisendsten HipHop-Alben überhaupt aufnahm.
Zu Jazzmatazz, jenem Bandprojekt, dem auch unser heutiger Sofdy Lifesaver (veröffentlicht 1995 auf Vol. 2, The New Reality - einem Album, auf dem bemerkenswerter Weise u.a. Jamiroquai und Chaka Khan gefeatured werden), zuzuschreiben ist, heißt es dort:
Doch mit dem Projekt Jazzmatazz begab er sich auch auf musikalische Wurzelsuche.
[...]
(M)it seinem Projekt Jazzmatazz öffnete er den HipHop zugleich und begeisterte viele Rap-Fans für den Jazz.
(hier geht's zum vollständigen Artikel)
Die Basler Zeitung listet - wie auf dem Silbertablett serviert - eine Reihe von Musikern auf, mit denen Guru arbeitete (hier durch uns mit den entsprechenden Wikipedia-Links ergänzt):
Mit seinem Projekt Guru's Jazzmatazz arbeitete er unter anderem mit Donald Byrd, Erykah Badu, Herbie Hancock, Isaac Hayes, Macy Gray, MC Solaar und Kelis zusammen.
Abschließen möchten wir unsere Collage mit dem Kommentar eines Fans zu dem letzten Artikel:
eine der wahren hip hop größen die auch noch werte und moral vermitteln und nicht nur blödsinn daherschwafeln [...].
seine musik stirbt gottseidank nicht mit ihm und wird mir heute und an vielen anderen tagen den tag verschönern.
um mich von ihm mit seinen eigenen worten zu verabschieden wähle ich:
"...But they can't take the respect, that I've earned in my lifetime
And you know they'll never stop the furious force of my rhymes
So like they say, every dog has it's day
And like they say, God works in a mysterious way
So I pray, remembering the days of my youth
As I prepare to meet my moment of truth"
Wir ziehen den Hut vor einem Lifesaver und musikalischen Guru. Möge er sein Heldentum Above the Clouds (so der Titel eines Songs des Gang Starr Duos zu Beginn der 90-er) fortsetzen.