Do
06
Mai
2010
Mythos entlarvt - Mozart-Musik macht nicht intelligenter
...lasen wir gestern unter den österreichischen Schlagzeilen mit Verweis auf einen entsprechenden Artikel im Spiegel.
Wir zitieren:
Im Jahr 1993 hatte ein Psychologenteam um Frances Rauscher von der University of Wisconsin in Oshkosh über verbesserte Leistungen nach dem Hören von Mozarts Musik berichtet.
[...]
Österreichische Forscher um Jakob Pietschnig von der Universität Wien holten jetzt zum finalen Angriff auf den Mozart-Effekt aus: Für eine Überblicksstudie schauten sie sich insgesamt 39 Einzelarbeiten mit mehr als 3000 Testpersonen zu dem Thema an. Die Ergebnisse werden nun im Fachmagazin "Intelligence" veröffentlicht. Und die sind ernüchternd: Die Musik des Wunderkindes hat de facto keinen positiven Effekt auf das räumliche Vorstellungsvermögen.
Mozart-Musik macht also nicht intelligenter - aber glücklicher ;-) !
Und genau deswegen haben wir uns heute für Mozarts Divertimento KV 136 entschieden - immerhin steht das italienische Wort "Divermento" für "Vergnügen".
Das mit dem Vergnügen ist so eine Sache. Von überall her erreichen uns Hiobsbotschafen. Krawalle in Griechenland, Öl-Katastrophe am Golf von Mexiko,...so richtig vergnüglich ist das alles nicht. Wir plädieren ja schon seit Langem dafür, dass Google seine linke Leiste unter "News" um das Feature "Happy Headlines" bereichern möge...aber bis es soweit ist, müssen wir uns wohl mit anderen, semi-vergnüglichen Schlagzeilen behelfen.
Blicken wir dazu von Österreich aus in die Schweiz. Hier amüsiert uns zumindest die Schlagzeile, dass nun auch Polo Hofer einen WM-Titel an den Start gebracht hat, der gelinde gesagt ein wenig umstritten ist (siehe Artikel der BaZ).
Na, immerhin passt das thematisch hervorragend zu unserem in dieser Woche erschienenen Newsletter.
Ein kurzer Blick noch nach Deutschland, wo gestern Helmut Kohls 80. Geburtstag offiziell gefeiert wurde (siehe Artikel in der SZ). Auch das ist zumindest keine schlechte Nachricht, bedenkt man, dass sein Gesundheitszustand sich ein wenig berappelt hat. Er hat sich übrigens für die Eröffnung seiner Feier für Beethovens Symphonie Nummer 7 entschieden:
Nichts gegen Beethoven - aber Mozart wäre da ein bisschen fröhlicher gewesen; aber naja - jedem so, wie er es möchte.
Und das gilt eben auch für die Schlagzeilen, die wir lesen...
...und die Musik, die wir hören. Ob sie nun klüger macht oder nicht, wen interessiert das schon.
Und so halten wir es abschließend mit Astrid Kieselbach, Chefredakteurin von Jazzecho, die in ihrem Editorial der Januar-Ausgabe so trefflich über die Musik schrieb:
Sie ist also noch da, auch in Zeiten des musikalischen Überflusses, die Macht der Musik. Lassen wir uns am besten täglich von ihr begleiten, dann sind wir glücklicher. Oder kreativer. Oder klüger. Oder inspirierter.