Fr
14
Mai
2010
Wir sind ganz ehrlich zu euch: Wir wollten uns eigentlich davor drücken, auf Whitney Houston zu sprechen zu kommen, wenn wir in den letzten Monaten in den Schlagzeilen über ihre versuchten und gescheiterten Comebackversuche lasen, bei denen sie nicht (mehr) so aussah, geschweige denn so klang, wie sie selbst. Wir wollten nicht auf den Zug der Medien aufspringen, ihren Zerfall zu dokumentieren, zu thematisieren und zu diskutieren.
Zuletzt kam es zu einem solchen "Fiasko", wie es die Welt bezeichnete, am vergangenen Dienstagabend in Berlin. Kein Geburtstag, kein Jubiläum, keine andere Schlagzeile gewährt uns heute Zuflucht, also stellen wir uns dem Thema; allerdings ein wenig anders, als es womöglich der Rest der Medienlandschaft tut.
Denn wir sind schlicht und ergreifend betroffen. Erst kam uns das neue Modewort "Fremdschämen" in den Sinn. Aber nein, das ist es nicht. Wir sind tatsächlich betroffen.
Da ist eine sechsfache Grammy-Gewinnerin, die einst als "The Voice" bezeichnet und gar mit einem "Women’s World Award" ausgezeichnet wurde. Sie ist uns in Erinnerung als diejenige, die unsere Herzen beispielsweise in The Bodyguard (1992) an der Seite von Kevin Costner mit der Ballade I Will Always Love you eroberte, die uns aber ebenso mit Nummern wie I Wanna Dance With Somebody (Who Loves Me) auf der Tanzfläche begeisterte.
Unvergessen und selten, wenn überhaupt, erreicht auch der Meilenstein, den sie mit One Moment in Time setzte - jenem Song, der 1988 zur Olympia-Hymne wurde und der um die Welt ging und vielerorts die Charts stürmte.
Und nun dieser Absturz in aller Öffentlichkeit.
Da müssen wir beim Durchlesen der Lyrics unseres heutigen Sofdys schon ganz schön schlucken:
Each day I life
I want to be
a day to give, the best of me
I'm only one, but not alone
My finest day, is yet unknown
I broke my heart, for every gain
To taste the sweet, I faced the pain
I rise and fall, yet through it all, this much remains
I want one moment in time
When I'm more than I thought I could be
When all of my dreams are a heart beat away
And the answers are all up to me
Give me one moment in time
When I'm racing with destiny
Then in that one moment of time
I will feel, I will feel eternity
I've lived to be, the very best
I want it all, no time for less
I've laid my plans
Now lay the chance, here in my hands
Give me one moment in time...
Nach den in den Medien breitgetretenen Drogen- und Scheidungsproblemen werfen Houstons Comeback-Versuche, die die Soul Diva regelrecht vorführen - und das vor den Augen und in den Ohren aller Welt -, bei uns in der Redaktion zu später Stunde Fragen auf:
Wieso wird eine solche Künstlerin nicht vor sich selbst, zumindest aber vor der Häme der Medien, geschützt?
Woher weiß man selbst, dass es Zeit ist, zu gehen?
Tatsächlich dann, wenn es am Schönsten ist?
Und was ist nur aus der Stimmgewalt von damals geworden?
Jenen besungenen Moment hat Houston augenscheinlich gleich mehrfach erlebt, führte sie in vielerlei Hinsicht und über viele Jahre doch ein Leben der Superlative, gelebten Träume und großen Erfolge.
A gold medal is a nice thing - but if you're not enough without it, you'll never be enough with it.
...heißt es allerdings in der Komödie Cool Runnings (1993), in der eine jamaikanische (!) Bobmannschaft bei den Winterspielen nach dem Traum einer Goldmedaille greift. Das Zitat passt sowohl sinnbildlich als auch inhaltlich vielleicht, aber nur vielleicht, wie die Faust auf's Auge. Denn ob Houstons Erfolg sie glücklich machte und erfüllte, ist die größte Frage, die sich uns heute stellt.
Sie stimmt uns nachdenklich. Aber zynisch werden wird deswegen noch lange nicht.
Mögen die Medien über Whitney Houston herfallen, wir steigen aus und halten mit den letzten Liedzeilen dagegen:
You're a winner, for a lifetime,
If you see that one moment in time
Make it shine