Mo
24
Mai
2010
Brüder in Armen - das konnte man am Pfingstwochenende bei der Verleihung des COMET-Musikpreises erleben, als Bill und Tom Kaulitz von Tokio Hotel einen weiteren Preis für ihren kometenhaften Aufstieg zur über Tokio hinausgehenden Hotelkette erhielten, wie die Süddeutsche in ihrem Newsticker preisgibt:
"Die insgesamt elfte Auszeichnung holte sich Tokio Hotel - diesmal als bester Liveact. «Ihr macht uns wahnsinnig stolz» rief Sänger Bill Kaulitz, der ein lässiges graues Jackett trug. Damit bleib Tokio Hotel auch bei der 15. Comet-Verleihung der Rekordgewinner des Musikpreises."
Die Weichen für einen anderen Rekord haben die beiden Keyboard-Brüder Alan Clark und Guy Fletcher bereits vor einem Viertel Jahrhundert gemeinsam mit den Gittaren-Brüdern David und Mark Knopfler gestellt, als es das Tokio Hotel noch gar nicht gab: bei dem Album "Brothers in Arms" von den Dire Straits hauten die beiden Jungs in die Tasten, bis die Scheibe um die 30 Millionen Mal verkauft wurde und somit zu den erfolgreichsten Alben der Musikgeschichte zählt (siehe Wikipedia).
Während VIVA den COMET-Preis - übrigens der einzige Musikpreis Deutschlands, der ausschließlich an nationale Künstler vergeben wird - verleiht, haben wir als heutigen Song of the Day für Euch die Nummer "Money for Nothing" ausgewählt. Denn es geht auch bei diesem Klassiker um einen Musiksender. Band-Mitbegründer Knopfler schildert eine Situation in einem New Yorker Fernsehgeschäft als die Entstehungsgeschichte des Stücks, dessen Video interessanterweise als erstes beim Start des Musiksenders MTV Europe am 1. August 1987 ausgestrahlt wurde:
„Ich beobachtete […] diese zwei Arbeiter in ihrer Arbeitsmontur, Latzhosen, Sicherheitsschuhe und alles. […] Sie standen vor dem Regal und betrachteten die eingeschalteten Fernsehbildschirme. Auf allen Fernsehern lief der MTV, die Bilder der Musikvideos wurden also zigfach wiedergegeben. Plötzlich begannen die beiden zu fluchen und über die Videos zu lästern. Erst hörte ich gar nicht richtig hin. Als die Flüche allerdings immer eindeutiger wurden, merkte ich auf. Einer der beiden sagte zu seinem Kumpel: ‚Nun sieh dir diese Schwuchteln an. Die tragen Ohrringe und sind geschminkt. Und für diesen Scheiß, den die da machen, kriegen die auch noch Geld.‘. Diese Sätze waren die Initialzündung für das Lied. Ich lieh mir an der Kasse Papier und Stift. Ich wollte jedes Wort der beiden noch im Laden aufschreiben.“
Gut, dass er an der Kasse zu Papier und Stift statt zum Geldbeutel griff, da er vielleicht zu diesem Zeitpunkt in "dire straits" war - "be in dire straits" hat die Bedeutung "in (finanzieller) Notlage sein" hat ;) Dies dürfte sich ja mittlerweile dank o.g. Rekord schon längst geändert haben, wenn auch die Dire Straits seit 1995 bedauerlicherweise nicht mehr aktiv sind. Den Wikipedia-Brüdern sind sie jedenfalls in Erinnerung geblieben, nicht zuletzt durch "Money for Nothing":
"Bemerkenswert waren der in seiner Ausdruckswahl umstrittene Text, das innovative Musikvideo – das erste computergenerierte Musikvideo überhaupt – und ein Cameo-Auftritt des britischen Musikers Sting, der Einleitung und Begleitstimme beim Fade-Out im Falsett singt: I want my MTV. [...] Der Song wurde zudem 1985 mit dem Grammy für die beste Rock-Performance eines Duos oder einer Gruppe mit Gesang ausgezeichnet [...]
Money For Nothing ist eine ironische Auseinandersetzung mit dem Musik- und Mediengeschäft in der Form einer so genannten Rollenlyrik. Nicht der Autor „spricht“ hier, sondern es wird die Perspektive einer Figur beschrieben, die mit dem Musikgeschäft nichts zu tun hat. Der einfache Arbeiter geht seinem Job nach und lässt sich über die Rockstars aus, die seiner Ansicht nach „die Kohle für nix“ bekommen [...]
Die Rollenlyrik wurde zur damaligen Zeit nicht von allen Hörern erkannt, die das Lied daraufhin als sexistisch, homophob u. ä. bezeichneten und Knopfler unterstellten, er würde ernst meinen, was er da singt. Auch A&M Records, die Plattenfirma von Sting, verstand keinen Spaß und verhielt sich so, wie Mark Knopfler die Musikbranche in Money For Nothing besungen hatte. Gegen Stings Willen bestand A&M darauf, dass er als Co-Autor auf dem Cover der Platte genannt und dass A&M selber am Umsatz der Platte beteiligt wurde."
Was würden wohl die die Arbeiter-Brüder zu dem geschminkten Bill Kaulitz und A&M sagen? ...Wollen wir diese Worte am heutigen Feiertag nicht weiter ungeschminkt ausmalen und stattdessen lieber Guy Fletcher zu seinem heutigen 50. Geburtstag gratulieren! Es bleibt zu hoffen, dass die Dire Strait Guy(s) bald wieder in (Musik-)Not(en)lage kommen und sich in die Arme fallen: viel Freude mit den Brothers in Arms!
Money for Nothing - Music for Everything - Sofdy for You ;)