Mo
26
Jul
2010
"Für mich ist Musik das beste Mittel zur Verständigung," sagt Dr. Motte.
Was 1989 mit 150 Menschen begann, sollte sich innerhalb von zehn Jahren um das zehntausendfache auf 1,5 Millionen Menschen vergrössern und vergangenes Wochenende zum letzten Mal stattfinden, da es leider - wie am gestrigen Sofdy angedeutet - bei einer Massenpanik Tote gab (Quelle: Wikipedia):
Die erste Loveparade entstand 1989 als spontane Idee einer durchfeierten Nacht zum Geburtstag Roeinghs (Dr. Motte). Unter dem Motto Friede, Freude, Eierkuchen wurde diese als politische Demonstration angemeldet. An dem am 1. Juli 1989 stattfindenden Aufzug nahmen etwa 150 Personen teil. Mit Hilfe eines Generators sowie einer Anlage auf einem alten VW-Bus zogen diese über den Kurfürstendamm.[2] Die Afterparty der ersten Loveparade fand im Ufo, dem ersten Acid-House-Club Berlins statt.
Die Loveparade 1991 gilt als erstes überregionales Zusammentreffen der verschiedenen bundesweiten Technoszenen. Erstmals reisten Szeneaktivisten aus mehreren Städten nach Berlin um ihre regionale Technokultur zu präsentieren, wodurch erste Netzwerke und ein bundesweiter Austausch der jungen Technokultur zustande kamen.
Dabei verfolgte Matthias Roeingh alias Dr. Motte, der vor wenigen Tagen 50 Jahre alt wurde, von Beginn an einen musikalisch-idealistischen Beitrag zum "Weltfrieden" (Quelle: Wikipedia):
Legendär wurden Dr. Mottes Ansprachen für eine harmonischere Welt zum Abschlusskonzert der Love Parade unter der Berliner Siegessäule auf dem Großen Stern. Dr. Motte wollte nicht nur, dass die Teilnehmer tanzten, sondern dass sie zu aktiven Teilnehmern einer „Tanzbewegung“ wurden. Er wollte, dass „Harmonie durch Musik“ entsteht, er wollte Freiräume durch nonverbale Kommunikation entstehen lassen, er sprach von Liebe und Respekt, von der Vielfalt der Tanzmusik und wünschte am Ende der immer kurzen Ansprache eine schöne Party. Die Ansprache, die ihm immer sehr wichtig war, war beliebt, wurde aber vom Partyvolk nicht sehr ernst genommen.
Wegen der mittlerweile kommerziellen Ausrichtung distanzierte sich Dr. Motte 2006 von der Loveparade und hielt stattdessen einen Redebeitrag auf der Fuckparade, die ursprünglich als Gegendemonstration zur Loveparade entstand.
Gemeinsam mit Dr. Motte komponierte DJ WestBam u.a. die Hymne "Sunshine" zur Loveparade von 1997, die wir als heutigen Sofdy den Trauernden widmen wollen. Von Herzen hoffen wir, dass in ihrem Leben bald wieder etwas Sonnenschein Platz findet.
WestBam, der angesichts der gestrigen Ereignisse auf seinen Auftritt bei der Abschlussveranstaltung verzichtete, äusserte sich in einem Interview der Süddeutschen Zeitung: "Es ist ein Wunder, dass in 20 Jahren zuvor nie etwas passiert ist."
Als einziger DJ, der seit 1989 auf allen Loveparades aufgelegt hatte, wollte er gestern zum letzten Mal bei einer Loveparade auflegen und veröffentlichte vor wenigen Tagen als Abschieds-Hommage die Triple-CD "A Love Story 89-10," bei der das Stück "Don't Lock Back in Anger" den Anfang macht (siehe auch YouTube-Video weiter unten). Mit diesem Grundtenor, dem wir uns schweigend anschliessen, beantwortet auch WestBam die nachfolgende Frage. Wie Dr. Motte sagt: Musik ist das beste Mittel zur Verständigung.
sueddeutsche.de: Ihr neues Video spielt in sehr morbider Kulisse, in Ihrem CD-Booklet finden sich Zitate auch zum Thema Liebe und Tod. Haben Sie eine düstere
Vorahnung gehabt?
WestBam: Nicht bewusst. Im Nachhinein ist das Werk, wenn man es so sehen will, schon ein Statement zum Thema Abschied. Der Titel "A Love Story 89-10" klingt nun wie eine
Grabinschrift. Ich hoffe dennoch, dass man sich in Zukunft an all das Gute, was die Love Parade für die elektronische Musik, für Deutschland und für die Völkerverständigung getan hat, erinnern
wird - und nicht nur an diesen einen schwarzen Tag.