Di
07
Sep
2010
Manchmal wundert man sich, dass Musiker auch ein wirkliches Alter haben. Denn gerade jemand wie Sonny Rollins ist derart felsenfest in der Musikgeschichte verankert, dass er längst als lebende Legende gilt und auf faszinierende Art zeitlos geworden zu sein scheint. Aber die Lexika sagen anderes und so kann der Saxophone Colossus am 7. September seinen 80. Geburtstag feiern und mit Stolz auf eine Biographie zurückblicken, die ihn zu einem der prägenden Individuen seines Instruments hat werden lassen.
Schöner als das Jazzecho könnte man unseren heutigen Sofdy wohl kaum einleiten und vor unserem heutigen Geburtstagskind Sonny Rollins den Hut ziehen.
Saxophone Colossus bezieht sich in diesem Text übrigens auf sein Album aus dem Jahr 1956, das er mit gerade einmal 25 Jahren einspielte und das von der Presse als einer der Meilensteine des Jazz bezeichnet wurde.
Vor über 60 Jahren nahm Rollins, dessen Wege sich gleich zu Beginn seiner Karriere mit denen von Miles Davis kreuzten, seine erste Platte auf. Der musikalische Werdegang, der darauf folgte, liest sich auf der deutschen Seite von Wikipedia recht schnell durch, auf der englischen hingegen bekommt man noch so manch ausführliche Info über den fast zwei Meter großen Grammy-Gewinner. Beides ist in jedem Fall empfehlenswert, denn es ist eine wahre Freude, mehr über einen der Titanen, die die Jazzmusik revolutionierten (so die Welt anlässlich seines Geburtstags in diesem Artikel) zu erfahren.
In eben diesem Artikel heißt es dann weiter:
Das für jeden Rollins-Anhänger Bedrückende ist, dass viele der besten dieser Improvisationen nicht auf Schallplatten dokumentiert sind. Rollins hat im Verlauf seiner Karriere zwar mehr als 50
Alben und darunter viele großartige eingespielt, doch er hat gewaltige Probleme damit, sich aufnehmen zu lassen. Sobald er weiß, dass sein Spiel von einem Mikrophon fixiert werden soll, fließt
der musikalische Bewusstseinstrom nicht mehr so frei wie auf der Bühne.
Es ist, als müsse seine Kunst, die erst während ihrer Verfertigung entsteht, mit ihr vergehen. Von den Bootleg-Aufnahmen, die das dokumentieren, ist nur eine einzige legal erschienen – sein
Auftritt nach dem Anschlag auf das World Trade Center. Am 11. September 2001 war Rollins, der in der Nähe der Twin Towers gewohnt hatte, nur mit seinem Saxophon aus seinem Appartement evakuiert
worden, doch fünf Tage später gab er, immer noch traumatisiert, am Bostoner Berklee College ein grandioses Konzert.
Am 10. September wird er anlässlich seines Geburtstags in New York auftreten. Es wird sein wie immer: Über ein Saxophon wird sich ein sanfter Zweimeter-Mann beugen, der eine Sonnenbrille
trägt, seinen Rücken dem Publikum zugewandt, beim Spielen über die Bühne wandernd. Nicht in sich selbst versunken, sondern in die Selbstlosigkeit der Musik.
Selbstlosigkeit der Musik. Hm. Das sagt irgendwie alles über diesen Musiker aus.
Unser heutiger Sofdy St. Thomas ist übrigens dem Soundtrack des New York-Films Working Girl von Mike Nichols (1988) entnommen.
Einen besonders guten Eindruck von der Person Sonny Rollins bekommt man unter anderem in dem folgenden Interview, in dem Rollins aus dem Nähkästchen plaudert und unter anderem auch darüber spricht, warum es nicht gut ist, im Laufe einer musikalischen Karriere so klingen zu wollen wie jemand anderes:
Übrigens wird Rollins gegen Ende des Jahres, man glaubt es kaum, Konzerte in Europa geben (darunter auch die Schweiz). Die Termine lassen sich hier nachlesen.
Und so ist heute nicht nur ein sonniger, also Sunny Day da draußen, sondern aus gegebenem Anlass eben auch ein Sonny Day.
Wir gratulieren von Herzen!