Fr
10
Sep
2010
Man könnte die Woche kaum schöner ausklingen lassen als mit einem gefühlvollen Solo-Piano-Stück, oder? Wir finden ja, mit dem heutigen Stück von Dave Burrell kommt nicht nur entspannte Wochenend-, sondern auch wunderbare Herbststimmung auf. Der perfekte Sofdy für heute also.
Darf man Youtube Glauben schenken, entstand die Aufname in Willisau in der Schweiz und stammt aus dem Jahr 1980. Demnach hat sie schon 30 Jahre auf dem Buckel und lässt erahnen, dass auch Burrell nicht mehr der Jüngste ist. Tatsächlich feiern wir heute seinen 80. Geburtstag, der sich bestens vereinbaren lässt mit einer weiteren Meldung die wir an dieser Stelle unterbringen möchten.
Und zwar erfreuten wir uns gestern an der Schlagzeile "Einen Konzertflügel zum Lächeln bringen" in der Zeit. Dahinter steckt ein Interview mit Stefan Knüpfer, einem Klavierstimmer, der für Pianisten wie Lang Lang, Alfred Brendel und Pierre-Laurent Aimard arbeitet. Über ihn wurde 2009 eine Doku mit dem Namen Pianomania gedreht, die nun auch in den deutschsprachigen Kinos anläuft:
In einem Artikel der Welt ("Pianomania" - Eine Doku über die Liebe zum Klavier) wird der Film folgendermaßen vorgestellt:
Sie stehen im Hintergrund, aber ohne sie geht nichts: Müllmänner, Hebammen oder Zeitungsdrucker etwa. Und Klavierstimmer.
Letztere kommen jetzt im Kino zu ihrem Recht. "Pianomania" dreht sich nur um die Männer und Frauen, die noch jedem Maestro den Weg bereitet haben. Stefan Knüpfer ist so etwas wie der oberste
Vertreter dieser Zunft: Als Chef-Klavierstimmer bei Steinway in Hamburg hat er mit den großen der Klavierwelt zu tun. Also einerseits den ganz großen Flügeln, die mit speziellen Apparaturen auf
die Bühne gehievt werden.
(...)
"Pianomania" ist eine deutsch-österreichische Produktion, die schon vor dem deutschen Kinostart auffiel. Als sie beim Filmfestival San Franciscos den Preis als bester Dokumentarfilm gewann, schrieb die Jury: "Es geht nur scheinbar um ein abseitiges Thema. Es geht um den Weg zur Perfektion."
Die Rheinische Post schätzt den Film so ein:
Wie ist der Film? Spannend, humorvoll, zurückhaltend und konzentriert wird das Ringen um den feinen Ton gezeigt, vor allem aber ein Mann, der sich ganz in den Dienst einer als gut empfundenen Sache stellt.
Noch besser gefallen hat uns allerdings die Einschätzung eines Youtube-Nutzers, der unter dem Kino-Trailer den folgenden Kommentar hinterließ:
Wer Musik liebt, wer den Klang eines großen Flügels verehrt, wird von diesem Film nicht loskommen. Er ist ein liebevolles Meisterwerk über den ganz normalen, etwas charmanten Wahnsinn, der Pianisten zu den Genies macht, die wir lieben. Denn: einfach nur Klavier spielen, können viele...
Was das Interview in der Zeit betrifft, das wir eingangs ansprachen, lesen wir unter anderem die folgende Aussage von Knüpfer:
Herr Brendel achtet auf Gleichmäßigkeit. Jeder Ton muss die gleiche Farbe haben. Eine unglaubliche Herausforderung. Die Töne müssen alle blau sein. Oder je nach Anschlag und Artikulation den gleichen Farbverlauf nehmen. Zwischen den Hellblauen darf kein Hellgrüner sein. Das einzustellen dauert Tage. Aimard hingegen sagt: "Warum ist das nur Blau, warum nur Grün? Ich hätte gern alles. Geben Sie mir einen Regenbogen, und ich tusche mir die Farben mit den Fingern hin." Er will den Klangreichtum und stimmt die Töne durch sein Spiel. Das ist irre.
Das erinnert uns natürlich prompt an unseren letzten Newsletter, in dem wir uns dem Thema Farbe und Musik widmeten und auf den wir an dieser Stelle gerne noch einmal hinweisen.
So viel für heute.