Di
08
Feb
2011
Wie herzzerreißend kann eine Gitarre klingen?
Wer Anfang der 90-er ähnlich wie wir auf der Kuschelrock-Welle geritten ist, wird darauf sofort eine Antwort parat haben. Bezeichnenderweise der letzte Titel auf CD 1 von Kuschelrock Volume 4, gleich nach I Won't Hold You Back von Toto, war es - da machte uns Gary Moore mit seinem legendären Gitarrenintro von Still Got the Blues vor, wie es klingt, wenn sich Herzschmerz und Musikgeschichte für immer vereinen. Eine Hymne aller von Liebeskummer Geplagten, und das mit Anlauf.
Einen guten Monat ist es her, da war bei uns von Gerry Raffertys ähnlich legendärem Saxophonintro zu Baker Street die Rede. Den traurigen Anlass dazu gab sein plötzlicher Tod. Der Anlass zu unserem heutigen Sofdy ist leider nicht weniger traurig, denn Moore verstarb ähnlich plötzlich, unerwartet und früh am vergangenen Sonntag mit gerade einmal 58 Jahren.
Wie immer ist es auch in diesem Fall interessant, zu verfolgen, mit welchen Schlagzeilen die Presse darauf reagiert:
Talent und Disziplin formen große Gitarristen, titelt beispielsweise die Zeit und veröffentlicht ein Interview mit Volkmar Kramarz, einstiger Weggefährte Moores, der unter anderem über den Plagiatsprozess rund um besagtes Gitarrenmotiv spricht und weise bilanziert:
Da kamen unglückliche Zufälle und Pech zusammen. Rückblickend auf die Tragödie würde ich sagen: lieber musizieren als streiten.
Die Welt spricht von einem Gitarrenhelden, der als einer der besten Gitarristen seiner Zeit galt.
Wie so oft läuft man Gefahr, einen Musiker wie den irischen Robert William Gary Moore, so sein vollständiger Name, auf den einen Hit oder seine Erfolge mit Thin Lizzy, jener irischen Rockband, der er ab den späten 60-ern angehörte und mit der er seine ersten Erfolge feierte, zu reduzieren. Doch ein Blick in Enzyklopädien wie etwa Wikipedia genügt, um sich eines Besseren belehren zu lassen.
Moore sei kein "Rock-Opfer", sondern "robust" und ein "gesunder Kerl" gewesen - ein "großartiger Spieler" und "engagierter Musiker", zitiert der Spiegel einen Musikerkollegen Moores. Die Todesursache ist demnach laut aktuellen Meldungen bislang nicht bekannt.
Während die eine oder andere Frage also weiterhin offen ist, ist das eine unbezweifelt: Moore hat mit seiner Musik die Menschen berührt, Musikgeschichte geschrieben und sich damit einen festen Platz in eben dieser gesichert. Dem werden wohl alle spätestens dann zustimmen können, nachdem sie in den Genuss unseres heutigen Sofdys gekommen sind.