Mo
10
Okt
2011
"Nur fliegen ist schöner", warb Anfang der 70er Jahre OPEL für seinen GT. Fliegen gehörte bereits in der Antike zu den erklärten Zielen einiger Menschen und bleibt wohl ein Menschheitstraum, den wir allerdings den echten und den Stahlvögeln überlassen sollten. Letztere erlauben uns immerhin, uns tatsächlich mit ihrer Hilfe in die Lüfte zu erheben. Der Traum - mit Hilfsmittel - ist also wahr geworden.
Sehnsüchte und Träume - sie geben immer wieder beliebte literarische Vorlagen ab, kein Wunder also, dass sich viele Liedermacher und Rockmusiker damit befasst haben, entsprechend auch mit dem Fliegen, wie PUR zum Beispiel, heute gemeinsam mit Christina Stürmer auf Schalke.
Reinhard Mey hat sich mit seinem Lied Über den Wolken schon 1974 als Flugkundiger in die Musikgeschichte geschrieben und gesungen, und Herbert Grönemeyer hat sie "im Bauch" besungen. R. Kelly ließ sich musikalisch über seinen Wunsch, den Himmel zu berühren, aus, und Tom Petty erzählt uns in einem wunderschönen Song, wie man fliegen lernen kann, und wie hart es sein kann, wieder auf dem Boden der Realität zu landen...
Warum wir den heutigen Sofdy dem Fliegen widmen? Vor ziemlich genau zehn Jahren gab es einen Schock in der europäischen Welt der Fliegerei, an den wir erinnern möchten, denn niemand hätte geglaubt, dass ein solcher Fall einmal eintreten könnte, schon gar nicht bei unseren als grundsolide geltenden Schweizer Nachbarn:
Am 1. Oktober 2001 wurde die Öffentlichkeit an einer Pressekonferenz über das Projekt «Phoenix» informiert und angekündigt, dass für Teile des Konzerns in der Folge Nachlassstundung beantragt werde. Eine Übergangsfinanzierung zur Aufrechterhaltung des Flugbetriebs kam nicht mehr rechtzeitig zustande, obwohl der Bundesrat bereit war, die Hälfte eines Kredites zu übernehmen.
Am 2. Oktober 2001 stieg der Liquiditätsbedarf stark an, da wegen der am Vorabend angekündigten Nachlassstundung alle Zulieferer auf Barzahlung und Begleichung offener Rechnungen pochten. Die Barreserven der Swissair reichten an diesem Tag gerade aus, um die ersten morgendlichen Flüge durchführen zu können. Im Laufe des Morgens weigerten sich jedoch die Treibstofflieferanten, die bereitstehenden Flugzeuge zu betanken. Andere Konzernkonten konnten einerseits wegen der vorgängigen Kündigung der Cash-Pooling-Fazilität seitens der UBS nicht benutzt werden, andererseits wegen drohender Gläubigerbevorzugung. Die Grossbanken weigerten sich, den Verkaufserlös zu bevorschussen, und verlangten vor einer Überweisung die formelle Rechtsgültigkeit des Verkaufsvertrages.
Um 15:45 Uhr stellte der CEO Mario Corti den Flugbetrieb aufgrund der Sicherheitsrisiken, bedingt durch die Überschreitung der Flight Duty Regulations, vollständig ein. Eines der wichtigsten nationalen Symbole der Schweiz stand am Boden und damit Tausende von gestrandeten Passagieren aus aller Welt. Etliche Flugbesatzungen sassen im Ausland fest. Ihre Firmen-Kreditkarten wurden von den Banken gesperrt, worauf einige Mitarbeiter ihrer Hotels verwiesen wurden und auf eigene Kosten heimkehren mussten. Zudem wurden alle Flugtickets wertlos.
Erst am Abend des 2. Oktobers erfolgte die Überschreibung der Crossair-Aktien. Der Kaufpreis traf erst am Folgetag – nach Einstellung des Flugbetriebes – auf dem Konto der SAirLines (nicht der Swissair) ein.
Am 4. Oktober 2001 fand in Glattbrugg vor der Vertretung der UBS eine Demonstration von mehr als 10'000 Mitarbeitern und Sympathisanten statt, die gegen die erzwungene Einstellung des Flugbetriebs protestierten. Am Tag danach fand auf dem Bundesplatz in Bern eine weitere Grossdemonstration statt. Tausende von UBS-Kunden kündigten aus Protest gegen das Verhalten der Grossbank ihre Konten. Quelle: Wikipedia
In den vergangenen zehn Jahren haben wir erlebt, dass es viele wirtschaftliche Entwicklungen gab, die vor diesem Jahrzehnt fast jeder für unmöglich gehalten hätte. Mehr als das Stichwort "Griechenland" ist nicht erforderlich, um zu wissen, was gemeint ist. "There's no lunch for free", hörten wir einen weisen Menschen kürzlich sagen. Auch die Globalisierung fordert ihren Tribut, genauso wie der Alltag.
Damit wären wir beim Start in die neue (Arbeits-)Woche. Mit dem Kopf im Himmel und mit den Füßen auf der Erde - mit dieser Vorstellung ist der Switch von Erholung und Entspannung in den Arbeitsmodus doch gar nicht so schwer, oder? Außerdem: "Wer Zuversicht hat, dem wachsen Flügel", haben wir letztens irgendwo gelesen.
Damit Euch einen richtig tollen Einstieg in die neue Woche, mit der für Euch passenden Flughöhe!