Mi
12
Okt
2011
Was uns immer mal wieder ins Auge sticht (oder vielmehr ins Ohr), ist der Unterschied zwischen Sängern und Interpreten. Ohne das Handwerk jener, die die Songs anderer singenderweise interpretieren, schmälern zu wollen, so fällt uns doch auf, dass Sänger, die ihre Songs selbst schreiben, diese oft mit einer anderen Intensität und Glaubwürdigkeit vortragen - so jedenfalls unsere Wahrnehmung.
Die Sängerin und Komponistin unseres heutigen Sofdys You're So Vain, Carly Simon, ist dafür ein wunderbarer Beleg, finden wir. Sie hält ihrem Ex so wunderbar vorwurfsvoll seine Eitelkeit vor, dass all jene, die sich mit Liebskummer quälen, lauthals und weltweit (und das schon seit über 4 Jahrzehnten!) mitgrölen möchten:
You're so vain
You probably think this song is about you
You're so vain
I'll bet you think this song is about you
Don't you don't you
Wie es mit der angesprochenen Glaubwürdigkeit des Songs und der Sängerin bestellt ist, geht aus dem folgenden Artikel hervor:
Carly Simon, 64, legendäre US-Softrock-Sängerin ("You're So Vain", 1972), will keine "feministische Ikone" sein. Zu einer solchen erklärte sie das Biografienbuch "Girls Like Us" über Carly Simon, Joni Mitchell und Carole King. Die Musikerin, deren 24. Album "Never Been Gone" gerade erschien, sieht sich als enttäuschte Romantikerin, "meine Traumblase von Monogamie zerplatzte schmerzhaft". Simon war Geliebte vieler Rock- und Filmstars (Mick Jagger, Cat Stevens, Warren Beatty, Jack Nicholson) und zweimal verheiratet. Ihre Ehe mit Musiker James Taylor endete dramatisch aufgrund seiner Heroinsucht und Untreue; bis heute reden die beiden nicht miteinander, trotz ihrer zwei Kinder. "Ich wollte eigentlich nur die kleine Frau hinter dem Mann mit der akademischen Karriere sein", erklärt Simon. Seit vierzig Jahren sei sie wegen entsetzlicher Bühnenangst in therapeutischer Behandlung. Schreiben helfe ihr, so die Autorin von sechs Kinderbüchern, "wenn man seine Dämonen aufgeschrieben sieht, nimmt das ihnen die Kraft". Seit fast vier Jahren ist Simon übrigens mit einem veritablen Akademiker liiert: Richard Koehler, einem Chirurgen.
(Quelle: spiegel.de)
Seit fast vier Jahrzehnten dient der Song als Ventil für jene, die gebrochenen Herzens sind. Beruhigend, zu wissen, dass Simon zwar nicht seit vier Jahrzehnten, aber immerhin seit fast vier
Jahren in einer glücklichen Partnerschaft steckt. Lieber ein spätes Happy End als gar keines, sagen wir uns da.
Vor diesem Hintergrund lässt sich der heutige Song noch viel mehr genießen. Problematische Beziehungsthemen hin oder her, ein guter Song ist ein guter Song.