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So

16

Mai

2010

Mangiare e Musica - Musik beim Essen

Mit dem Geist ist es wie mit dem Magen: Man kann ihm nur Dinge zumuten, die er verdauen kann.

(W. Churchill)

 

Gibt man in Suchmaschinen Wortkombinationen wie etwa "Verdauung - Musik" (ja, auf so verrückte Ideen kommen wir) ein, so stolpert man über so Treffer wie etwa:

 

Tanzen fördert die Verdauung oder Singen entspannt die Verdauung.

 

Sucht man mittels den Stichwörtern "Musik - Essen", finden sich ebenfalls interessante Foren und Artikel. Gäbe es nicht die Stadt "Essen" in Deutschland, würde sich hier die Recherche allerdings ein wenig einfacher gestalten, aber was soll's. Kommen wir zum Punkt.

 

Welche Musik passt zu welchem Essen?

Wann stört Musik während des Essens und wann nicht?

Und wie wirkt sich Musik gar auf die Verdauung aus?

 

Diesen Fragen wollen wir in diesem Newsletter teils ernst, teils ein wenig augenzwingernd nähern.

 

Eine von uns in einem Internet-Portal durchgeführte Umfrage hat ergeben, dass Musik während des Essens eigentlich nur dann erwünscht ist, wenn sie zum Ambiente im Restaurant oder ggf. zu Hause passt und dezent ist. Dezent heißt nach unserer Definition, man kann sich noch unterhalten oder sich zumindest selbst kauen hören. Einzige Ausnahme ist hier vielleicht Burger King. So schrieb uns ein Internet-User:

 

Bei Burger-King wünschte ich mir manchmal die Musik wäre lauter damit man das Geschrei der Plagen nicht hört.

 

Aber solche Vorlieben sind wohl eher eine Ausnahme.

 

Gehen wir also nach der Theorie mit dem Ambiente, dann passt zu italienischem Essen...richtig: italienische Musik. "Mangiare e Musica" eben. Wie wär's zum Beispiel mit einem italinischen Urgestein:

Mit der Stimme von Adriano Celentano schmecken Pasta und Pizza gleich viel besser, oder nicht?

 

Die, die es lieber ganz ohne Gesang bevorzugen, finden vielleicht eher an Musik wie etwa der des sizillianischen Volkstanzes Tarantella Geschmack.

Im Folgenden interpretiert der amerikanische Violinist Nathan Milstein ein solches Musikstück aus der Feder des Spaniers Pablo de Sarasate:

Lecker. Weiter geht's mit der kulinarisch-musikalischen Reise. Zu chinesischem Essen empfiehlt sich...chinesische Musik. Wirklich? Hier kommt es wohl wirklich sehr darauf an, was sich unseren westlichen Ohren erschließt, ohne dass uns gleich der Kiefer 'runterklappt - denn das ist beim Essen bekanntlich eher unpraktisch. Wie wäre es also hiermit:

("Reflections of the Moon on the Water of Erquan" von Hua Yan Jun, arrangiert von Wang Zu Jie, Soloist: Song Fei; China Central Chinese Orchestra, Dirigent: Chen Xie Yang)

 

Wunderschön, oder?

 

Schwierig dürfte das Schlucken hingegen - zumindest für westliche Speiseröhren und mit allem Respekt vor der asiatischen Kultur - bei Musik wie dieser werden:

Und wo wir einmal beim Thema Asien sind, machen wir doch einen Abstecher zu unserem Lieblingsinder um die Ecke.

Wir sind so große Fans von indischem Essen, dass uns hier eigentlich nicht interessiert, welche Musik gespielt wird - beim Genuss von Chicken Biryani & Co. vergessen wir ohnehin alles um uns herum. Wenn dann aber auch noch so schöne Klänge wie jene, die wir auf youtube unter dem Stichwort "Indian Music Meets Western Classical" fanden, das Ambiente bereichern, sind wir nicht mehr zu halten:

Mit diesem Brückenschlag zwischen den Kulturen macht uns V.S. Narasimhan wahrlich eine Freude.

 

Auch sehr beliebt ist vielerorts das türkische Essen. Selten wird in den (Schnell-) Restaurants jedoch die entsprechende Musik zum Essen gereicht. Ob es wohl daran liegt, dass sie unseren Ohren aufgrund mangelnder Gewöhnung eher schwer verdaulich erscheint?

Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht...

 

...lautet ein altes Sprichtwort, das man wohl auch auf die Musik übertragen kann; dabei halten die anderen Kulturen so viel schöne und spannende Musik bereit, wenn man sich nur auf sie einlässt. Was haltet ihr zum Beispiel von türkischem Jazz Funk (kein Witz!):

Das ist fette Musik - und das Beste daran ist: Sie ist absolut kalorienarm!

 

Einen letzten Abstecher machen wir noch - und zwar zum Mexikaner. Wer jetzt denkt, wir tischen euch nur Salsa und die ganz zackigen bzw. scharfen Sachen auf, liegt falsch. Denn auch die Mexikaner können's ganz romantisch, wie hier das mexikanische Duo Sin Bandera beweist:

Aber die mitreißende Salsa-Musik darf natürlich nicht fehlen. Nach dem schweren mexikanischen Essen (wir sprechen aus Erfahrung") empfehlen wir gar, direkt das Tanzbein zu schwingen:

Geht man nach den Ergebnissen unserer Umfrage, gibt es aber auch "neutrale" Musik, die, wenn sie auch nicht das Ambiente veredelt, irgendwie immer passt. Instrumentales etwa, vom Jazz bis zur Klassik, wird da empfohlen. Hier gilt wie immer: Es ist alles eine Frage des Geschmacks, so lange es nicht zu laut wird.

 

Und damit beantwortet sich auch unsere zweite Frage fast wie von selbst. Teilnehmer unserer Umfrage kamen nämlich zu dem Ergebnis, dass Musik vor allem dann stört, wenn sie a) aus dem Radio kommt oder b) eben zu laut ist. In letzterem Falle könne man im Restaurant ja jederzeit darum bitten, dass leiser gemacht wird, empfahlen da gleich mehrere Teilehmer. Einer gab gar einen Witz zum Besten:

 

In diesem Zusammenhang erinnere ich mich an einen Witz: Geht ein Mann in ein Wiener Kaffeehaus, in dem eine 3-Mann-Kapelle Wiener Kaffeehaus-Musik macht. Fragt er den Kellner: "Spielt die Kapelle auch auf Wunsch?. Antwortet dieser: "Selbstverständlich mein Herr, was darf es denn sein?" Darauf der Mann: "Dann sagen's denen, solange ich hier bin, sollen sie Skat spielen"

 

Widmen wir uns unserer letzten, nicht allzu ernst zu nehmenden letzten Frage: Wie wirkt sich Musik auf die Verdauung aus?

 

Während auf diversen Websites CDs vertrieben werden, die versprechen, dass die Verdauung durch entsprechende Entspannungsmusik wieder in Einklang gebracht werden kann, geht der Verfasser eines Blogs sogar noch weiter und spricht davon, dass auch das Singen die Verdauung entspannt. Begründet wird das Ganze so:

 

Mit Singen kann typischen Verdauungsbeschwerden wie Blähungen und Druckschmerzen begegnet werden. Denn es wird tief in den Bauch hineingeatmet und die Verdauung wird durch die Massage der inneren Organe und des Darms gefördert. Gleichzeitig nimmt der Körper mehr Sauerstoff auf, so dass Durchblutung, Stoffwechsel und letztlich auch die Verdauung angeregt werden. Zudem werden Glückshormone freigesetzt, die helfen, vom Alltagsstress abzuschalten und zu entspannen.

 

[hier geht's zur Quelle]

 

Wie ernst diese Begründung zu nehmen und wie solide sie recherchiert ist, vermögen wir nicht zu beurteilen. Drauf verlassen ist bei akuten Beschwerden wohl ein bisschen gewagt.

 

Nach einem netten Restaurant-Besuch und schwerem Essen noch das Tanzbein schwingen zu gehen scheint allerdings eine sinnvolle Maßnahme, man denke nur an den Salsa!

 

Fazit unseres heutigen Newsletters: Musik zum Essen ist eine wunderbare Sache und kann erheblich dazu beitragen, dass es im Gaumen noch besser mundet. Im schlimmsten Fall kann sie einem aber auch gehörig den Appetit verderben.

 

Darum gilt hier wie bei so vielem: Alles kann, nichts muss. Im Zweifelsfall spricht ja auch nichts dagegen, einfach ein bisschen Ruhe beim Essen einkehren zu lassen - und zwar bei akustischer Stille.

Einen guten Appetit wünscht euch

eure Redaktion von www.musikdach.de

 

Musikdach - alles unter einem Dach

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