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Di

16

Feb

2010

Welche Rolle spielt Musik eigentlich in der Kindheit und Jugend?

Wie früh prägt Musik einen Menschen? Oder anders gefragt: Welche Rolle spielt Musik eigentlich in der Kindheit und Jugend?

Erinnerungen an die eigene Kindheit und Jugend sind oft eng verknüpft an musikalische Erinnerungen:

das erste Gutenachtlied; das erste Lied, das man im Kindergarten lernte, um die Füße von den Händen zu unterscheiden; das erste ABC-Lied, das einem das Alphabet schmackhaft machte; das erste Rocklied, zu dem man mit Luftgitarre vor dem Spiegel abrockte; die erste Schmusenummer, zu der man mit dem Nachbarsjungen- oder Mädchen mit wild pochendem Herzen tanzte.

 

Wir wetten, dass sich jeder von euch an mindestens eines dieser Szenarien und den damit verbundenen Soundtrack lebhaft erinnern kann; so lebhaft, dass er dabei amüsiert zu schmunzeln, wehmütig zurückzublicken oder verwundert zu reflektieren beginnt.

 

Der Schauspieler Jan Josef Liefers geht sogar so weit und bringt den Soundtrack seiner Kindheit auf die Bühne.

 

Wahrlich, Musik zieht sich wie ein roter Faden durch alle Lebensphasen. Wehret den Anfängen, heißt es. Werfen wir in diesem Newsletter also einen Blick darauf, welche Rolle die Musik in der Kindheit und Jugend spielt.

Gutenachtlieder

Klammern wir einmal aus, dass es Theorien gibt, die besagen, dass bereits in der Schwangerschaft die musikalischen Einflüsse, unter denen die werdende Mutter steht, Auswirkung auf das Embryo haben. Dann sind Gutenachtlieder mehr oder weniger die erste Form von Musik, der wir ausgesetzt sind.

Gutenachtlieder sind - ebenso wie Gutenachtgeschichten - eine beliebte Maßnahme, die Eltern ergreifen, um den Zöglingen das Abdriften in die Traumwelten zu erleichtern. Als Paradebeispiel für ein schon fast als Gutenachthymne anmutendes Kinderlied gilt mit Sicherheit La-Le-Lu von Heino Ganze, hier in der Version von Heinz Rühmann in dem Film Wenn der Vater mit dem Sohne.

Ein Gutenachtlied, ob es nun vom aufgegangenen Mond, dem Mann in dem selbigen oder den unzähligen Sternlein dort oben erzählt, die Botschaft ist immer dieselbe: Die Welt ist in Ordnung, du kannst beruhigt einschlafen. Hmmm, einfach herrlich. Da seufzen selbst wir in der Redaktion erleichtert auf.

Bei Kinderliedern...

...kann's da schon bunter und wilder zugehen:

Dass ein Video wie dieses die 20-Millionenmarke auf youtube überschritten hat, ist eindrucksvoll und unterstreicht, was längst bekannt ist: Kinder, aber auch Jugendliche und Erwachsene lernen auf der musikalischen Schiene ganz spielerisch und entsprechend gerne ihre Körperteile, das ABC oder sogar den Straßenverkehr kennen:

Rolf Zuckowski, einer der erfolgreichsten, wenn nicht sogar der erfolgreichste deutschsprachige Komponist und Autor von Kinderliedern, veröffentlichte 1979 Rolfs Schulweg-Hitparade, in der den Kindern der Straßenverkehr in Form von fröhlichen, aber auch nachdenklich stimmenden Songs vermittelt wird. Musikalisch wie pädagogisch ein kleiner Geniestreich, wie das Hörbeispiel von Mein Platz im Auto ist hinten erahnen lässt.

 

In diesem Zusammenhang nicht fehlen darf die Sesamstraße. In unserer Rubrik Bands und Musiker in der Sesamstraße stellen wir seit Ende letzten Jahres die Starauftritte bekannter Musiker in der Sesamstraße vor. Hier wird Prominenz und Musik genutzt, um den Kleinen etwas beizubringen, wie in diesem Fall das ABC:

Aber die heile Welt der Gutenacht- und Kinderlieder gerät früher oder später ins Wanken, allerspätestens mit dem Eintreten der Pubertät.

Musik in der Jugend

In Schlag auf Schlag (erschienen beim Verlag Zweitausendeins) befasst sich der Autor Denis Vaughan eindrucksvoll und kritisch mit dem Thema Musik in der Jugend. Angefangen bei der Lautstärke der Musik, der die Jugendlichen in der Disko ausgesetzt sind, bis hin zu den Inhalten der trendigen Hits stellt er dar, dass Musik eine formende Rolle spielt und gerade junge Leute maßgeblich beeinflusst. Und so redet er den jungen Leute ins Gewissen, die Musik, mit der sie sich umgeben, zu hinterfragen. Immerhin verbringt ein Durchschnitts-Teenie genau so viel Zeit mit dem Hören von Musik wie in der Schule.

Musik mit Vorbildfunktion

Vor diesem Hintergrund erscheinen die folgenden beiden Beispiele umso drastischer:

Sido, der geradezu stolz darauf ist, ein Schlechtes Vorbild zu sein...

...und Blumentopf, die ihre Popularität dazu nutzen, den Jugendlichen ins Gewissen zu reden, wählen zu gehen (wir berichteten in unserem Newsletter im Oktober 2009).

 

Es ist wohl nicht auszuschließen, dass sich Musik, die man gerne hört, ebenso einschleicht wie es gute oder v. a. auch schlechte Gewohnheiten tun. Sicher, alles ist immer auch Geschmackssache, und wir wollen niemandem irgendetwas streitig machen.

Aber vielleicht lohnt es sich, auch im fortgeschrittenen Alter jenseits der Kindheit und Jugend die eigenen musikalischen Gewohnheiten zu hinterfragen?

(Hier empfiehlt sich ein zweiter Blick in unseren letzten Newsletter, in dem wir uns u. a. mit der Frage beschäftigen, welchen Einfluss Musik auf uns nehmen kann.)

"Ich hab' früher mal Geige gespielt..."

Das Musikhören spielt also eine wichtige Rolle in der Kindheit und Jugend. Wie sieht's aus mit dem Musikmachen?

 

Sofort kommen uns die Geschichten jener Kindersupertalente in den Sinn, die schon im Kindesalter ihre erwachsene Konkurrenz in Grund und Boden spielen, singen oder komponieren, wie hier der 12-jährige Shaheen Jafargholi bei der Gedächtnisfeier für Michael Jackson im vergangenen Jahr. 

Uns kommt aber auch in den Sinn, dass Kinder oft von ihren Eltern gepuscht oder gar zur Schau gestellt werden. In unserer Kategorie Bunt gemischte Videos stellen wir ein Video vor, bei dem sich die Geister scheiden. Das Video, das den 5-jährigen Wilson bei der Aufführung des Johnny Cash Songs Folsom Prison Blues zeigt, wirft die Frage auf, ob dies in Anbetracht der 3/4-Millionen Klicks und der teils hämischen Kommentare auf youtube eine Auf- oder doch eher eine Vorführung ist...

Jeder kennt sie, die Geschichten von Wunderkindern, die in zwanghaften Verhältnissen aufwachsen, wenn das musikalische Talent erst einmal entdeckt ist.

 

Fragt man einmal im Bekanntenkreis herum, staunt man, wie oft man den Satz "Ich hab' früher mal Geige (oder ähnliches) gespielt, aber ich hab damit sofort aufgehört, als ich es nicht mehr musste..." zu hören bekommt. Tatsächlich bereuen viele später, die musikalische Disziplin an den Nagel gehängt zu haben. Aber wen wundert die trotzige Abwehrhaltung in Anbetracht überambitionierter Eltern?

 

Starviolinist David Garrett beklagt als prominentes Beispiel eben diese Umstände in einem Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung:

„Einfach mal durch die Straßen laufen, auf den Verkehr aufpassen, Klamotten kaufen, zur Bank gehen, sich selbst ernähren. Diese ganz normalen Dinge des Alltags habe ich nie erlebt“, erzählt der in Aachen aufgewachsene Sohn eines Juristen und einer amerikanischen Balletttänzerin, der bereits im Alter von 13 Jahren bei der Deutschen Grammophon als Exklusivkünstler unter Vertrag stand.

Erfreulich ist dabei, dass er heute seinen ganz eigenen Weg geht:

Nicht das Zwanghafte, sondern das Stärkende stellt Rolf Zuckowski mit seiner Stiftung „Kinder brauchen Musik” in den Vordergrund. Zum Ziel seiner Stiftung heißt es:

Unser Land braucht starke Kinder, und Musik kann Kinder stärker machen. Die Musikförderung bei Kindern dient nicht nur ihren musikalischen Talenten, sie stärkt ihre Persönlichkeit, ihre Kreativität, ihre Lernfreude und ihre sozialen Fähigkeiten. Wir fördern vor allem ganzheitliche Projekte, in denen Musik z. B. mit Theater und Bewegung kombiniert werden. Auch grenzüberschreitende und integrative Projekte von Kindern mit und ohne Behinderungen liegen uns am Herzen.

 

Geht doch!

 

Zu welchem Fazit kommen wir also in diesem Newsletter?

 

Wir überlassen Gunter Kreuz das Wort, der in seinem Artikel Wie Kinder Musik empfinden, erleben und lieben lernen folgendes schreibt:

Wie glücklich Kinder mit Musik sein können, ihre kreativen Fähigkeiten mit ihr langfristig entwickeln und weit über musikalische Fertigkeiten hinaus soziale Kompetenzen erwerben, steht heute außer Frage.

 

Bis zum nächsten Newsletter grüßt euch

eure Redaktion von www.musikdach.de


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