Sa
16
Jan
2010
Noch bevor man fragen kann, was Musik bewirkt, stellt sich die Frage, was Musik ist. Die Menschheit wäre nicht die Menschheit, wären sich hier die Experten, Wissenschaftler und Philosophen einig.
In der Antike bezeichnete Claudius Ptolemäus, griechischer Mathematiker, Geograph, Astronom, Astrologe, Musiktheoretiker und Philosoph die Musik auf eher nüchterne Weise als die Fähigkeit, die zwischen hohen und tiefen Tönen bestehenden Unterschiede zu erkennen.
Im 19. Jahrhundert hingegen fiel die Vorstellung dessen, was Musik ist, schon etwas philosophischer aus:
Die Musik ist also keineswegs, gleich den anderen Künsten, das Abbild der Ideen; sondern Abbild des Willens selbst, dessen Objektivität auch die Ideen sind: deshalb eben ist die Wirkung der
Musik so sehr viel mächtiger und eindringlicher als die der anderen Künste: denn diese reden nur vom Schatten, sie aber vom Wesen. , erklärte Arthur Schopenhauer in seinem Werk Die Welt als Wille und Vorstellung.
Nach stundenlanger Recherche ist die wohl sachlichste Aussage, die wir hierzu treffen können, die, dass sie in letzter Instanz immer eine subjektive Erfahrung eines Einzelnen ist. Für den einen ist sie eben (nur) eine Wissenschaft und Theorie,
für den anderen Lebenselixier, wie viele Enya-Fans, Anhänger von New Age Musik aber eben auch Musikliebhaber aller anderen Musiksparten bestätigen werden:
Eine ganze Wissenschaft und eigene Therapiezweige befassen sich gar mit der heilenden Kraft der Musik, wie sich u.a. in diesem GEO-Interview nachlesen lässt.
Zweifelsohne kann die Musik, die wir hören, Einfluss nehmen auf unsere Gemütslage.
Klickt man sich im Internet unter Stichwörtern wie etwa „gute Laune“ oder „aufheitern“ durch diverse Foren, wird einem auffallen, dass immer wieder Musik als ein Mittel empfohlen wird, das gute
Laune verbreitet und in schlechten Zeiten aufheitert.
Auf die Frage von Luzie K.: Ich bin ein ganz klein wenig down, bitte heitert mich doch wieder auf. heißt es da von Blubb B: hoere gute musik. fröhliche musik.
Machen wir einen kleinen Selbstversuch an folgendem Beispiel:
Es ist zu vermuten, dass sich eine Mehrzahl unserer Leser nach diesem Video von (Your Love Keeps Lifting Me) Higher and Higher in der Version von Michael McDonald in irgendeiner Form besser fühlt.
Probieren wir’s nun mal hiermit (mit Vorsicht zu genießen, da laut):
Auch wenn man nicht oft genug betonen kann, dass Musikerfahrung auch immer eine Frage des Geschmacks ist und die individuelle Erfahrung groß geschrieben werden muss, werden die meisten nach diesem Selbstversuch an den zwei Musikbeispielen den Rückschluss zulassen, dass Musik etwas mit einem macht und in einer Krise entsprechend zweierlei Rollen einnehmen kann: Sie kann entweder Ausdruck des Frusts sein und ihn beim Zuhörer verstärken, oder sie kann einen Wendepunkt herbeiführen, indem man sich plötzlich besser fühlt oder das optimistische Gefühl, das man ohnehin hatte, verstärkt wird.
Ein Paradebeispiel für Musik, die beim Autofahren im genau richtigen Moment im Radio läuft und perfekt zu dem Sonnenuntergang passt, dem man gerade entgegenfährt, ist der Song
Lifted des damaligen Easy Listening Duos Lighthouse Family aus den 90-ern.“ Lifted“ heißt
bezeichnenderweise „angehoben“ und verdeutlicht sehr eindrucksvoll, was Musik im Positiven bewirken kann:
Als Ende der 1920-er die dunklen Wolken der Weltwirtschaftskrise aufzogen, antwortete die Musikbranche damit auf ihre ganz eigene Weise:
Happy Days Are Here Again von Leo Reisman und seinem Orchester aus dem Jahr 1929 ist ein schönes Beispiel dafür, wie den Menschen in schweren Zeiten mit Musik Mut gemacht werden kann. Auch Franklin D. Roosevelt begriff das und machte den Song 1932/33 zum Teil seines letztlich mit Erfolg gekürten Präsidentschaftswahlkampfs in den USA.
Die Antwort im deutschsprachigen Raum ließ nicht lange auf sich warten. 1930 adaptierten die Comedian Harmonists den
Song im Deutschen:
Und auch Marlene Dietrich gab Anlass zum Träumen und Hoffen:
Zugegebenermaßen war dies noch zu Beginn der großen Krise, und in den Folgejahren machte auch die Musikbranche nicht nur auf schön‘ Wetter. Und doch ging Hoffnung und ein Licht am Ende des Tunnels von vielen Songs aus, wie etwa im Jahr 1939 gegen Ende der Krise in July Garlands Over the Rainbow in dem Film Der Zauberer von Oz:
Werfen wir einen Blick auf die heutige Krisenstimmung, die mal mehr, mal weniger zu spüren ist. Ein Blick auf die aktuellen Charts im deutschsprachigen Raum zeigt: Hier werden Pflaster von Ich + Ich verteilt, Xavier Naidoo und Janet Grogan singen Alles kann besser werden und Silbermond mobilisieren die Krieger des Lichts:
Wird im deutschsprachigen Raum also mancherorts leicht melancholisch reflektiert, vermittelt sich beim Blick auf die US-Charts eine Art Partystimmung mit Songs wie TiK ToK von Kesha, I Gotta Feeling von The Black Eyed Peas und nicht zuletzt Party in the U.S.A. von Miley Cyrus:
So oder so lässt sich also sagen, dass die Musikbranche sehr wohl auf die Stimmung der Leute reagiert oder in mancher Hinsicht vielleicht sogar Einfluss darauf nimmt. Eine Art „Jetzt-erst-Recht“-Stimmung mag man da ebenso ablesen wie eine Art „Alles-wird-gut“-Beschwichtigung, zu der sich selbst Bushido hinreißen lässt.
Krisen wird es in irgendeiner Form immer geben. Wer gerne Musik hört, kann sie in schweren Zeiten gezielt einsetzen, um sich „anzuheben“ oder, falls erwünscht, „runterzuziehen“. Ob Musik, Sport, Theater, Kino oder ein Buch, letztlich ist es egal, welches Mittel man wählt, um sich abzulenken, auszutoben oder zu amüsieren. Entscheidend ist, wie man sich am Ende dabei fühlt, und ob es einem gelingt, der vermeintlichen Krise einen Smiley aufzudrücken.
Letztlich bezeichnet jede Krise (Alt- und gelehrtes Griechisch κρίσις, krísis, ursprünglich „die Meinung“, „Beurteilung“, „Entscheidung“, später mehr im Sinne von „die Zuspitzung“) […] eine problematische, mit einem Wendepunkt verknüpfte Entscheidungssituation (Quelle: Wikipedia).
Viele gute Entscheidungen in der Krise und viel Spaß bei allem wünscht euch
eure Redaktion von www.musikdach.de
Musikdach - Alles unter einem Dach