02/06/2017 - Captain SKA: Liar Liar GE2017

Heute vor 50 Jahren wurde der 26-jährige Student Benno Ohnesorg erschossen. Er war Teilnehmer an der Demonstration am 2. Juni 1967 in West-Berlin gegen den Staatsbesuch von Schah Mohammad Reza Pahlavi. Ohnesorgs Erschießung löste wochenlange Massendemonstrationen in ganz Westdeutschland aus und führte in den Folgemonaten zu den Rücktritten des Polizeipräsidenten, des Innensenators und des Regierenden Bürgermeisters von West-Berlin Heinrich Albertz. Er war vielseitig literarisch und musikalisch interessiert. Was würde er wohl zum heutigen Sofdy sagen, den wir ihm widmen? Es geht um musikalischen Protest in England. 

 

Die Welt schreibt: „Liar Liar GE2017“ heißt der Song von Captain Ska; „GE“ steht für „General Election“. Das erste Mal war das Lied 2010 veröffentlicht worden, seinerzeit noch als Protest gegen die konservativ-liberale Regierung von Premierminister David Cameron und Vize Nick Clegg. Damals wie heute kombiniert der Song Gesang und Redenausschnitte, wie auch im Videoclip zu sehen ist, der auf YouTube veröffentlicht wurde. „Ich werde keine Neuwahlen ausrufen“, ist May beispielsweise zu hören. „She’s a liar, liar“, ertönt daraufhin der Chorus. „You can’t trust her. No, no, no, no.“ (Zu Deutsch: „Sie ist eine Lügnerin, Lügnerin. Du kannst ihr nicht vertrauen. Nein, nein, nein, nein.“)

 

Begleitend werden Statistiken in das 3:16 Minuten lange Video eingeblendet. „3,7 Millionen Kinder leben zurzeit in Großbritannien in Armut“, ist unter anderem zu lesen. Eine Zahl, die angeblich bis 2020 um eine weitere Million steigen werde. Dazu ist May zu hören, die verspricht: „Gemeinsam werden wir, die Konservativen, ein besseres Großbritannien aufbauen.“ Auch die sogenannte besondere Beziehung zwischen Großbritannien und den Vereinigten Staaten ist Thema: Das Video zeigt May und US-Präsident Donald Trump, wie sie einen Säulengang im Weißen Haus in Washington entlanggehen – Hand in Hand. Trump habe Angst vor abschüssigen Wegen, erklärten britische Medien später die ungewöhnliche Geste. Doch das Bild ist geblieben. Und provoziert auch den Spott der Musiker aus London.

 

In den britischen iTunes-Single-Charts rangiert das Lied aktuell auf Platz 2. „Der Erfolg des Songs zeigt, dass es die Menschen diese Regierung der Reichen für die Reichen satt haben“, wird die Band vom Independent Meedia.de zufolge zitiert. „Wir sind überwältigt und unsere Botschaft ist, dass die Menschen die Macht haben, die Gesellschaft zu verändern, wenn wir gemeinsam handeln.“

 

Was sich Benno bestimmt auch wünschen würde: es sollte nicht immer jemand sterben müssen, um eine Veränderung auszulösen, auch nicht die Hoffnung. Möge Musik wie der heutige Song of the Day einen kleinen friedvollen Beitrag hierzu leisten.